Musikkapelle Niederwangen
Dez07

Großer Orchesterklang beim Konzert der Musikkapelle Niederwangen

veröffentlicht am Donnerstag, 07. Dezember 2017

Ein Reigen aus Klassikern der symphonischen Blasorchester-Literatur macht das Konzert zu einem Leckerbissen - ein Konzertbericht von Daniel Zindstein
Ein Programm voller Klassiker der symphonischen Blasorchester-Literatur bot die Musikkapelle Niederwangen bei ihrem Herbstkonzert, das war nach einem ersten Blick in das Programmheft sofort klar. Offensichtlich wollte Dirigent Christian Thanner in seinem zweiten Jahreskonzert nicht nur mit der Programm-Auswahl symphonische Akzente setzen. Bereits der erste Akkord des 4. Marsches aus der Reihe „Pomp an Circumstance“ von Edward Elgar, drückte alles aus worum es wohl in der Vorbereitung der letzten Monate ging, einen vollen, warmen und überzeugenden Orchesterklang zu erzeugen. Es war wirklich ein Genuss, diesem aus dem Jahr 1907 stammenden Marsch, dessen Triomelodie als „Song of Liberty“ besondere Berühmtheit erlangte, zu lauschen. Fast aus der gleichen Zeit und ebenfalls aus der Feder eines englischen Komponisten stammte das erste Hauptwerk des Abends, die First Suite von Gustav Holst. Das 1909 entstandene Werk gehört weltweit unzweifelhaft zu den meistgespielten Werken für Blasorchester und wird oftmals geradezu als Maßstab für die Qualität eines Orchesters herangezogen. Die souveräne Aufführung dieses Klassikers durch die Musikkapelle war nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass das Werk bereits beim Wertungsspiel in Eglofs mit großem Erfolg erarbeitet wurde. Die Musiker standen spürbar über den Noten und bewegten sich mit traumwandlerischer Sicherheit durch die drei Sätze. Sowohl die Chaconne als auch das Intermezzo gerieten dadurch in den Tempi zwar etwas flott, was aber dem leichten englischen Charakter dieses Musikstils durchaus gerecht wurde. Insgesamt eine sehr gelungene Interpretation. Sehr erfreulich war die Aufführung eines Solo-Werkes für Klarinette, das wahrlich nicht oft zu hören ist – Rahoon von Alfred Reed. Er vertont hierin ein Gedicht von James Joyce, indem eine Frau um ihre Jugendliebe trauert und in eine tiefe melancholische Stimmung versinkt. Kennt man Klarinettenkonzerte normalerweise als fulminante, von technischer Brillanz gespickte Kompositionen, so lag die Schwierigkeit bei diesem Stück in der authentischen Erzeugung der traumhaft dahinschwebenden Gedanken der melancholischen Frauenfigur. Die Solistin Franziska Boll meisterte die Herausforderung jedoch sehr natürlich und einfühlsam und wurde auch entsprechend zurückhaltend von dem Orchester begleitet und mit tosendem Applaus belohnt. Das zweite Hauptwerk des Abends war gleichzeitig wohl als Einstieg der Musikkapelle Niederwangen in die zeitgenössische Literatur gedacht. Die Suite „Canticle oft the Creatures“, was so viel wie „Lobgesang der Geschöpfe“ bedeutet, beschreibt in sechs Sätzen die Sonnengesänge des Franz von Assisi. Die Sätze handeln von dem Bruder Sonne, der Schwester Mond & Sterne, dem Bruder Feuer und der Mutter Erde. Die in krassem Unterschied zueinander stehenden Satz-Charaktere im Hinblick auf Rhythmus, Harmonik und Dynamik stellten durchaus eine Herausforderung dar, welche die Musiker aber bestens meisterten. Vor allem die ruhigen Sätze und die impressionistische Darstellung der Sterne könnte man wohl auch als „Sphärenmusik“ bezeichnen und waren wunderschön musiziert. Flashing Winds ist ein schmissiges Werk des Holländers Jan Van der Roost, welches sich durch seine erfrischende, mitreißende Rhythmik hervorragend zur Eröffnung des zweiten Konzertteils eignete. Die Leichtigkeit, mit der das Stück daherkam täuscht etwas über den Schwierigkeitsgrad hinweg, der vor allem aus den vielen Taktwechseln resultiert, eine Herausforderung vor allem auch für den Dirigenten, der dieser aber bravourös begegnete. Für „Cloudburst“ - Wolkenbruch - wurde die Mithilfe des Publikums benötigt. Ab etwa der Mitte des Stücks übernahmen die Zuhörer im Saal die Rolle der Regentropfen, in dem jeder mit den Fingern schnippte. Die Vielzahl von zufällig erzeugtem Fingerschnippen war ein überraschend echt klingender Effekt eines beginnenden Sommerregens. Das Zwischenspiel „Mellanspel“ aus der schwedischen Kantate „Sangen“ sowie die dreisätzige holländische Show-Musik „Three Inventions“ aus den 70er Jahren leitete zum Schlusshöhepunkt über – zu „Star Wars Epic“. Die Filmmusik von John Williams wurde hier in einer sechs Sätze umfassenden Suite dargeboten, was eine klare Differenzierung der einzelnen Melodien ermöglicht. Bei dieser Musik waren die Niederwangener Musiker wie in ihrem Element. Die anmutige Melodie von Prinzessin Leia, die skurrilen Dissonanzen der Rache der Sith, als auch der martialische Imperiale Marsch sowie das berühmte Star Wars-Hauptthema waren nahezu wie im Original arrangiert und interpretiert. Vor allem die kraftvollen Hörner, oft Schwachstellen der hiesigen Blasorchester, aber auch Flöten, Oboen und Harfenklang, gaben dem Ganzen einen nahezu originalen Kino-Saal-Sound. Die beiden Zugaben Serenade von Derek Bourgeois und der Choral für einen feierlichen Anlass von Marc von Delft rundeten diesen tollen Konzertabend ab.
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